Ischias - Rückenschmerz mit uncharmanter Ausstrahlung

Manchen Menschen mit Rückenproblemen setzt der Hexenschuss öfter zu. Andere Menschen werden plötzlich von einem schmerzenden Ischiasnerv geplagt. Man spricht im Volksmund dann kurz vom Ischias. Mediziner benennen den plötzlich in die Beine ausstrahlenden Rückenschmerz in der Lendenwirbelregion jedoch korrekt als Ischialgie oder Ischias-Syndrom.

Was ist eine Ischialgie?

Bei Ischias oder einer Ischialgie liegt eine druckbedingte Schädigung des Ischiasnervs vor. Diese macht sich mit starken, ziehenden und bis in die Beine ausstrahlenden Schmerzen bemerkbar.

Eine anhaltend schmerzhafte Ischialgie ist in jedem Fall ein Fall für den zeitnahen Besuch beim Orthopäden. Zu unterscheiden ist der gereizte Ischiasnerv (Ischialgie) von der sogenannten "Lumboischialgie". Diese fühlt sich in den Symptomen zwar ähnlich an wie die Ischialgie.

Doch bei der Lumboischialgie ist mehr als nur der Ischiasnerv gereizt. Auch die Nervenstränge, die in Höhe der Lendenwirbelsäule aus dem Rückenmark hervortreten, unterliegen schmerzhaften Reizungen.

Neben identischen Symptomen wie

  • ausstrahlende, ziehende Schmerzen vom Gesäß oder unteren Rücken aus
  • Empfindungsstörungen wie Kribbeln in den Beinen
  • Taubheitsgefühlen im betroffenen Bein
  • oder einer unerklärlichen Muskelschwäche

kann der Schmerzort weitere Hinweise geben. Er zeigt an, ob eine Lumboischialgie oder eine Ischialgie vorliegt. Bei einer Ischialgie scheint der Ausgangspunkt der Schmerzen im Gesäß zu liegen. Bei einer Lumboischialgie liegt er jedoch im Lendenwirbelbereich, also im unteren Rücken.

Exkurs: Ischias-Beschwerden in der Schwangerschaft

Schwangere Frauen tragen mit fortgeschrittener Schwangerschaft ein immer schwerer werdendes Gewicht mit sich. Dass dieses Gewicht den Rücken stark belastet, kann sich jeder denken. Rückenschmerzen bei schwangeren Frauen sind ab dem sechsten Monat keine Seltenheit.

Es handelt sich dabei jedoch meist nicht um Ischias-Beschwerden. Die Ursache für Rückenschmerzen bei schwangeren Frauen ist meistens das zunehmende Gewicht des Ungeborenen. Dessen zunehmender Platzbedarf macht sich als Rückenschmerz durch die Einnahme ausgleichender Haltungen bemerkbar.

Um dem Ungeborenen den nötigen Platz einzuräumen, lockern sich stützende Bänder. Das geschieht mit Hilfe der Hormone. Die Lockerung hat naturgemäß ebenfalls Auswirkungen auf die Haltung der Schwangeren. Der Rücken wird zunehmend stärker belastet.

Eine Entlastung ist kaum noch möglich, je näher der Geburtstermin kommt. Neben gewöhnlichen Rückenschmerzen können aber auch schwangere Frauen von Ischias, Hexenschuss oder Bandscheibenvorfällen betroffen werden.

Bei plötzlich auftretenden Beschwerden im unteren Rücken sollte daher sicherheitshalber ein Arzt aufgesucht werden. Eine Ischialgie wird auch bei schwangeren Frauen mit konservativen Methoden behandelt. Meist kommen geeignete physiotherapeutische Maßnahmen zur Anwendung. Eine Schmerzmittelgabe schließt sich aus naheliegenden Gründen aus.

Ursachen von Ischias

Ein gereizter Ischiasnerv kann aufgrund verschiedener Ursachen Probleme bereiten. Prinzipiell sind die Auslöser meist in veränderten Druckverhältnissen auf den Ischiasnerv zu suchen. Außerdem kann ein Problem an der Bandscheibe ursächlich werden.

Aufgeführte Erkrankungen des Nervensystems, die Rückenschmerzen, Hüften und Bein hervorrufen, die durch eine Wirbelkrankheit verursacht werden

Die häufigsten Ursachen für einen gereizten Ischiasnerv sind die folgenden:

  • blutzuckerbedingte Nervenschädigungen bei Diabetes-Patienten
  • eine Verengung des Wirbelkanals (Spinalkanalstenose)
  • eine verlagerte Bandscheibe (Vorwölbung oder Vorfall)
  • ein Becken- oder Oberschenkelbruch
  • eine Arterien-Aussackung (Aneurysma) im Bereich des Ischiasnervs
  • ein lumbaler Bandscheibenvorfall
  • degenerative Bandscheibenprobleme
  • oder ein gereizter Musculus piriformis (Piriformis-Syndrom).

Zu einem gereizten Ischiasnerv oder Ischias-ähnlichen Beschwerden können auch die bereits erwähnte Schwangerschaft, Entzündungen mit verringerten Muskelverspannungen oder die Bildung von Narbengewebe nach operativen Eingriffen beitragen.

Bei der "epiduralen Fibrose" kommt es zu Läsionen, nachdem das Narbengewebe in die Lendennerv-Wurzel gepresst wird. Seltener kommt es vor, dass ein Tumor Symptome einer Ischialgie verursacht. In diesem Fall müsste er sich als Wirbelsäulentumor in den Nervenwurzeln am unteren Rücken breit machen.

Meistens handelt es sich dann um Metastasen in der Wirbelsäulenregion. Ebenso selten sind Infektionen als Auslöser von Ischias zu ermitteln. Der Infektions-Ort müsste dann im unteren Rücken liegen. Außerdem müsste die Infektion den Wurzel-Nerv befallen haben.

Entzündliches Gelenkrheuma kann aber möglicherweise zum Auslöser für Ischias werden. Ebenso ist das für eine Zecken-Borreliose oder eine Gürtelrose (Herpes Zoster) als Folgeerscheinung möglich. Eine chronische Entzündung im Wirbelsäulenbereich - die Spondylitis ankylosans - kann verschiedene Symptome nach sich ziehen. Manche Symptome ähneln einem gereizten Ischiasnerv.

Sturz- oder unfallbedingte Frakturen können ebenso Ischias-Beschwerden auslösen. Gleiches gilt für Frakturen, die durch eine Osteoporose verursacht werden. So, wie Diabetes Ischias-Beschwerden begünstigen kann, ist das auch für starkes Übergewicht der Fall.

Außerdem trifft es für einen sitzenden Beruf und chronischen Bewegungsmangel zu. Begünstigt wird ein Ischias auch durch eine durchgelegene, zu harte oder zu weiche Matratze oder hohe Absätze an den Schuhen. In Einzelfällen können auch Eiteransammlungen durch Abszesse oder große Blutergüsse so ungünstig liegen, dass der Ischiasnerv überreizt wird.

Typische Symptome einer Ischialgie

Wer einmal mit einem gereizten Ischiasnerv zu tun hatte, kann die Beschwerden problemlos vom Hexenschuss unterscheiden. Der umfangreichste Körper-Nerv ist der "Nervus ischiadicus". Er verläuft vom Rücken aus an der Oberschenkel-Rückseite entlang.

Dann teilt er sich in Knie-Höhe auf. Das ergibt zwei Unterschenkeläste. Diese werden Peroneus-Nerv (Nervus peroneus) bzw. Tibialis-Nerv (Nervus tibialis) genannt. Der Ischiasnerv versorgt die Beinmuskeln. Er leitet außerdem Empfindungs-Rückmeldungen von den unteren Extremitäten weiter, damit sie vom Zentralnervensystem registriert werden.

Ein gereizter Ischiasnerv verursacht plötzlich oder nach und nach Schmerzen. Ein Arzt würde von einem "neuropathischen" Schmerz sprechen. Die Betroffenen beschreiben den Ischias-Schmerz als in die Beine ausstrahlenden "elektrischen Schlag" oder als "Ameisen-Gekrabbel".

Damit nehmen sie Bezug auf die begleitenden Empfindungsstörungen. Es kann nachfolgend zu Taubheitsgefühlen in einem Bein oder sogar zu Bewegungsstörungen bzw. Lähmungserscheinungen kommen. Ischias-Schmerz strahlt nach unten aus.

Mediziner wissen, dass die Schmerzen "radikulär", also von einer Nervenwurzel (Radix) ausgehend, ausstrahlen. Das wäre bei einem Hexenschuss nicht der Fall. Auch die Ausstrahlung des Schmerzes ins Bein fehlt dem Hexenschuss.

Der Schmerzverlauf hängt von der betroffenen Stelle des Ischiasnervs ab. Zum einen können Nervenfasern am fünften Lendenwirbel betroffen sein. In diesem Fall geht der Schmerzverlauf vom Gesäß aus. Er erstreckt sich über die äußere Rückseite der Oberschenkel, verläuft dann an der Außenseite des Knies entlang und endet an der Außenseite der Unterschenkel.

Der Schmerz kann bis in die Knöchel ausstrahlen. Ist hingegen die erste Nervenwurzel am Kreuzbein geschädigt, verläuft der Ischias-Schmerz etwas anders. Er zieht vom Kreuzbein ins Gesäß. Anschließend wandert er über die Oberschenkel-Rückseite und die Kniekehle bis zum Fuß.

Nehmen die Ischias-Schmerzen vor allem nachts zu, liegt wahrscheinlich eine Entzündung als Auslöser der Beschwerden vor. Bei einem Bandscheibenvorfall verklemmt sich häufig der Ischiasnerv.

Typisch ist, dass ruckartige Bewegungen wie Husten und Niesen, aber auch übermäßiges Pressen beim Toilettengang, für Schmerzreize sorgen. Gleiches gilt bei allen ruckartigen Arten von Bewegung. Bei schweren Bandscheibenvorfällen können auch das Wasserlassen oder der Stuhlgang erschwert werden.

Die Ischias-Diagnostik

Zum Arzt solltest Du erst gehen, wenn die Beschwerden durch den Ischias gravierend sind. Die Empfehlung gilt auch, wenn der gereizte Ischiasnerv sich nicht nach ein paar Tagen beruhigt hat. Das Nachlassen der Beschwerden kann ohne eine Behandlung manchmal mehrere Wochen dauern. Eine medizinische Therapie ist aber oft nicht nötig.

Der Arztbesuch ist jedoch unverzichtbar, wenn die Rückenschmerzen von

  • Taubheitsgefühlen
  • starken Missempfindungen
  • Bewegungseinschränkungen
  • sowie Darm- und Blasenentleerungsstörungen

begleitet werden.

Bei der Anamnese möchte der Arzt mehr über den Schmerzverlauf, seinen Beginn und typische Symptome erfahren. Die körperliche Untersuchung richtet sich zunächst auf eventuelle Fehlstellungen von Rücken und Beinen. Beweglichkeit, Berührungsempfindlichkeit und Reflexe werden abgetastet.

Mann liegt auf Massagetisch, während sein Arzt eine Untersuchung bei Ischias und eingeklemmten Nervenproblemen macht

Ein Test auf Reizungen an der Nervenwurzel - der sogenannte "Lasègue-Test" - schließt sich an. Beim Anheben eines Beines schießt der Schmerz auf halber Höhe ein, wenn es sich um Ischias handelt. Ist die Diagnose noch immer nicht eindeutig - oder es besteht der Verdacht auf einen Bandscheibenvorfall als Auslöser - kann eine Magnetresonanztomografie (MRT) bzw.

Kernspintomografie sinnvoll sein. Auch eine Computertomografie (CT) kann weitere Aufschlüsse geben. Bei Verdacht auf geschädigte Nerven müssen Ort und Ausmaß der Schädigung sowie die Qualität der Nervenleitfähigkeit ermittelt werden.

Das kann mittels Elektroden durch eine Elektromyografie (EMG) oder Elektroneurografie (ENG) geschehen. Ergänzen erhobene Laborwerte können Aufschluss über das Vorliegen von entzündlichen Prozessen oder Borreliose-Erregern geben. Nur selten wird eine Liquor-Punktion notwendig.

Die Behandlungs-Möglichkeiten bei Ischias

Falls eine Behandlung des Ischias notwendig wird, ist der Schweregrad meist höher. Potenziell kann ein Ischias mit konservativen Methoden wie Wärmetherapie, Massagen, Elektrotherapie oder Krankengymnastik behandelt werden.

Außerdem können schmerzstillende, entzündungshemmende Medikamente verordnet werden. Bei sehr starken Beschwerden wird operiert. Welche Therapie angesetzt wird, bestimmen die Auslöser, die Schwere und die Dauer der Schmerzen.

Oberstes Ziel schulmedizinischer Behandlung ist eine schnelle Beschwerdelinderung. Ursachen-bezogene Therapie-Ansätze sind Sache ganzheitlich denkender Ärzte. Beiden liegt am Herzen, eine Chronifizierung zu verhindern.

Der Patient kann sich bei anhaltenden Schmerzen helfen. Er sollte eine Stufenlagerung vornehmen. Dabei liegen die Unterschenkel auf einem Kissenberg oder einem Schaumstoffblock. Die Knie werden im rechten Winkel gebeugt.

Medikamentös behandelt wird wie folgt:

  • mit nicht-Opioiden Schmerzmittel (z. B. Ibuprofen, Paracetamol, Diclofenac)
  • mit weniger starken Opioid-Schmerzmitteln plus den oben genannten nicht-Opioiden Schmerzmitteln
  • mit starken Opioid-Schmerzmitteln wie Morphin oder Fentanyl, gegebenenfalls plus den oben genannten nicht-Opioiden Schmerzmitteln.

Wegen möglicher Neben- und Wechselwirkungen sowie potenziell möglicher Schmerzmittel-Abhängigkeit muss die Therapie überwacht werden. Bei entzündlichen Auslösern, eitrigen Abszessen oder Borreliose werden Antibiotika oder Virostatika verordnet.

Krankengymnastische Übungen können die Ischias-Beschwerden lindern. Mit Physiotherapie werden verspannte Muskeln gelockert, Muskeln an der Lendenwirbelsäle gekräftigt und Schonhaltungen behoben. Begleitend kann eine Wärmetherapie hilfreich sein.

Zur heute bevorzugten multimodalen Therapieform gehört Verhaltenstherapie. Diese soll den Umgang mit dem Schmerz verbessern. Der Patient soll kein Schmerzgedächtnis entwickeln. Bettruhe wird als kontraproduktiv angesehen. Stattdessen sollte moderate Bewegung zur Heilung beitragen.

Exkurs: Die operative Ischias-Therapie

Operationen werden bei gereizten Ischias-Nerven selten notwendig. Meistens liegen Bandscheibenvorfälle, Wirbel-Frakturen, Tumor-Neubildungen und Metastasen vor, wenn eine OP bei Ischias angesetzt wird.

Auch bei Stuhlentleerungs-Störungen, Lähmungserscheinungen oder schwersten Schmerzen wird meist operiert. Auch eine lumbale Spinalkanalstenose als Auslöser von Ischias kann gegebenenfalls eine minimalinvasive OP erfordern.

Operationen sind generell nicht der wichtigste Erfolgsweg bei Ischias. Meistens sind Operationen mit der Bildung von Blutergüssen und Narbenbildungen im Bereich der Lendenwirbelsäule verbunden. Die Nebeneffekte solcher Maßnahmen können neuerlichen Schmerz auslösen.

Zur Prognose bei Ischias

Oftmals heilt der gereizte Ischias von ganz alleine binnen Tagen oder Wochen aus. Ihn mit Wärme und moderater Bewegung zu behandeln, sollte ausreichen. Gegebenenfalls sind Schmerzsalben mit Ibuprofen- oder Diclofenac-Gehalt sinnvoll. Nach dem frühzeitigen Gang zum Arzt stellt eine konservative Behandlung meist sicher, dass die Beschwerden ausheilen.Keine Rückenschmerzen. Rückseite der Frau mit Daumen nach oben

Der Beschwerdeverlauf bei Ischias hängt aber entscheidend vom festgestellten Verursacher ab.

Bei frühzeitigem Therapiebeginn ist die Prognose für Ischias gut.

Die Kombination von Schmerztherapie, Physiotherapie, Rückengymnastik und Verhaltenstherapie ist meist erfolgreich.

Sie verkürzt den Krankheitsverlauf bei Ischias effektiv. Die Betroffenen sollten ihre Rückenmuskulatur trainieren.

Sie sollten auf rückenschonende Haltungen achten. Gesichert ist, dass oft psychische oder soziale Faktoren eine Rolle im Heilungs-geschehen spielen.

Schmerzen durch Ischias treten beispielsweise gehäufter bei Depressionen, Stress oder Einsamkeit auf. Sie werden bei psychischen Problemen außerdem intensiver wahrgenommen. Die Psyche kann nachweislich die Wirksamkeit eines Schmerzmittels positiv oder negativ beeinflussen.

Sie kann eine Chronifizierung begünstigen und ein Schmerzgedächtnis ausbilden. Dieses hält den Ischias-Schmerz aufrecht. Dem zufolge können ein intaktes Sozialleben, eine positive Lebenshaltung, ergonomische Arbeitsplätze, die Unterstützung der Familie oder ein Arzt, dem man vertraut, viel bewegen.

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