Morbus Bechterew - Eine einschränkende Skeletterkrankung

Wer an Morbus Bechterew leidet, hat eine spezielle Form entzündlichen Rheumas. Diese Erkrankung ist durch Rückenschmerzen gekennzeichnet. Diese spielen sich im Bereich der Lendenwirbelsäule, der Brustwirbelsäule und der Kreuz-Darmbeingelenke ab.

Typisch für Morbus Bechterew sind Verknöcherungen, die zu Gelenksteifigkeit führen. Die medizinische Bezeichnung "Spondylitis ankylosans" übersetzt sich demnach als "versteifende Wirbelsäulenerkrankung". Morbus Bechterew gilt als nicht heilbar.

Die Erkrankung kann auch Entzündungen am Auge oder an anderen Stellen im Körper verursachen. Morbus Bechterew wird in der medizinischen Literatur mit verschiedenen Namen belegt.

Gelegentlich liest man Bezeichnungen wie "rheumatoide Spondylitis", "ankylosierende Spondylitis", "Bechterewsche Krankheit", "Bechterew-Strümpell-Marie-Krankheit", "Morbus Strümpell-Bechterew-Pierre Marie", "Spondylarthritis ankylopoetic" oder "Spondylitis ankylopoetica".

Was ist Morbus Bechterew?

Seit 2009 wird die "Bechterewsche Krankheit" den "axialen Spondyloarthritis-Erkrankungen" (axSpA) oder Spondyloarthritiden zugerechnet. Dabei handelt es sich um verschiedene Erkrankungen, die die Skelettachse betreffen – also insbesondere die Bereiche Schädel, Wirbelsäule und Brustkorb.

Morbus Bechterew betrifft meistens den Bereich der Wirbelsäule bis in den Beckenbereich hinein. Krankheits-begleitende Entzündungen können das Knochengewebe zerstören. Sie können außerdem zur Bildung von Faserknorpeln an den Gelenken führen.

Röntgenbild des Patienten zeigt eine entzündliche Morbus Bechterew-Krankheit, die degenerative Veränderungen der menschlichen Wirbelsäule und der Beckenknochen sowie eine Verdichtungsfraktur an der roten Markierung aufweist.

Als Folge davon können Gelenke und Bänder im Bereich der Wirbelsäule und des Beckens zunehmend verknöchern. Die Betroffenen müssen mit Schmerz-Attacken und einer zunehmend eingeschränkten Beweglichkeit leben.

Schreitet die Erkrankung weiter fort, führt sie zu einer komplett versteiften Wirbelsäule. Morbus Bechterew betrifft oft Erwachsene zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr. Die begleitend auftretenden Entzündungen können sogar den Darmtrakt, die Prostata oder das Auge betreffen.

Rätselhaft bleibt, warum deutlich mehr Männer als Frauen betroffen sind. Da eine Erkrankung an Morbus Bechterew sehr belastend ist, sollten die Beschwerden bereits bei den ersten Anzeichen behandelt werden. Der Krankheitsverlauf kann dadurch häufig verlangsamt werden.

Zu diagnostischen Verwechslungen könnte es mit "Morbus Forrestier" (Spondylitis hyperostotica) kommen. Die Symptome fallen ähnlich aus. Was fehlt, sind jedoch die typischen entzündlichen Prozesse, die bei Morbus Bechterew auftreten. Morbus Forrestier verursacht "nur" Versteifungen und Schmerzen.

Ursachen der "Bechterewschen Krankheit"

Bisher konnten die Mediziner keine genaue Ursache für die Morbus Bechterew Erkrankung finden. Möglicherweise ist eine Fehlfunktion des Immunsystems an der Entstehung von Morbus Bechterew beteiligt. Die Anwesenheit eines bestimmten Proteins bei den meisten Betroffenen ist auffällig.

Sie deutet an, dass familiäre Häufungen und eine erbliche Komponente an der Auslösung von Morbus Bechterew beteiligt sein könnten. Das Protein ist innerhalb des Immunsystems aktiv.

Eine Fehlfunktion dieses Proteins würde zu einer geschwächten Immunleistung führen. Die Gegenreaktion des Immunsystems wären Entzündungen. Medizinern zufolge löst aber letztendlich eine akute Entzündung - beispielsweise eine Gelenkentzündung - die Erkrankung an Morbus Bechterew aus.

Die Symptome von Morbus Bechterew

Bei der "Bechterewschen Krankheit" handelt es sich um eine chronische Skelett-Erkrankung. Diese tritt oft schubweise auf. Es gibt folglich bessere und schlechtere Phasen. Mit jedem Schub kann sich eine Verschlechterung der Beschwerden einstellen.

Die Symptomatik kann durch Stress, starke körperliche Belastungen, chronischen Bewegungsmangel und andere Faktoren verschlimmert werden. Die frühen Anzeichen von Morbus Bechterew werden häufig nicht ausreichend wahrgenommen.

Es kann sich dabei um gelegentlich auftretende Knie-, Hüft- und Schulterschmerzen handeln. Betroffene leiden an rätselhaften Schmerzen im Fersenbereich. Sie klagen über einen Tennisellenbogen oder Sehnenbeschwerden.

Vielfach addieren sich Müdigkeit, Gewichtsverlust oder Schmerzen bei Erschütterungen wie dem Niesen oder Husten dazu. Mit der Zeit versteift sich bei Morbus Bechterew die Wirbelsäule. Sie verformt sich zunehmend. Je nachdem, in welchem Erkrankungsstadium der Betroffene sich befindet, können Art und Schwere der Symptome unterschiedlich sein.

Es gibt außerdem individuelle Krankheitsverläufe. Die Leitsymptome von Morbus Bechterew sind tief sitzende Rückenbeschwerden, nächtliche Schmerzen und morgendliche Steifigkeit. Bestehen diese Symptome seit mindestens drei Monaten, gilt die Diagnose als gesichert.

Viele Betroffene haben vorzugsweise in der zweiten Nachthälfte starke Beschwerden. Diese lassen sich nur lindern, indem die Betroffenen aufstehen, umhergehen oder Rückengymnastik machen. Die Schmerzen können vom Iliosakralgelenk im Beckenbereich bis in beide Beine und das Gesäß ausstrahlen.

Dabei wechseln die Schmerzen im Gesäßbereich oft die Seiten. Jahre später fällt auf, dass sich die Lendenwirbelsäule abgeflacht hat. Die Brustwirbelsäule weist hingegen eine zunehmende Krümmung oder einen Buckel auf. Der Körper sucht einen Ausgleich dazu, indem er den Hals streckt.

Die Hüft- und Kniegelenke wirken gebeugt. Bewegungs- und Haltungsmuster verändern sich. Etwa ein Fünftel der Morbus Bechterew betroffenen leidet an entzündlichen Reaktionen an den Augen, am Herzen, der Prostata und den Nieren. Die Betroffenen können durch eine verringerte Knochendichte ein erhöhtes Risiko für eine Osteopenie oder Osteoporose haben.

Sie können an Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Arthritis oder einer Entzündung der Schlagadern leiden. Möglicherweise existieren Zusammenhänge zwischen Morbus Bechterew und chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen. Manche Betroffenen klagen über Harnwegs- oder Darmbeschwerden.

Diagnose der "Bechterewschen Krankheit"

Die Erhebung der Krankengeschichte ist ein elementarer Bestandteil der Diagnostik. Was der Morbus Bechterew-Patient über seine Beschwerden erzählt, ist eine der wichtigsten Informationsquellen, die der Arzt für die Diagnose nutzen kann. Gelegentlich wird die Diagnosestellung durch die Beantwortung eines Fragebogens - des sogenannten "Bath-Indizes" ergänzt.

Durch die Antworten kann der Arzt sich ein besseres Bild über die empfundene Schwere der Erkrankung sowie die körperlichen Einschränkungen machen. Bestimmte Fragen zielen darauf ab, typische Symptome der "Bechterewschen Erkrankung" zu ermitteln. Der Arzt will beispielsweise wissen, ob

Arzt mit Patient, Diagnosestellung durch die Beantwortung eines Fragebogens

  • der Erkrankungsbeginn vor dem 45. Lebensjahr lag
  • ein schleichender Beschwerdebeginn vorlag
  • die Kreuzschmerzen schon länger als drei Monate andauern
  • die Morgensteifigkeit sich schnell oder langsam auflöst
  • die Schmerzen bei Ruhestellung schlimmer werden
  • die Schmerzen bei Bewegung eine Besserung erfahren
  • es vor allen in der zweiten Nachthälfte zu vermehrten Schmerzen kommt
  • Gesäßschmerzen beobachtet wurden, die die Seite wechseln
  • oder ob zusätzlich Symptome wie Sehbeschwerden, Nieren-Symptome oder Herzbeschwerden auftreten.

Liegt der Verdacht auf Morbus Bechterew nahe, werden weitere Untersuchungen vorgenommen. Dazu gehören Bewegungstests sowie der "Mennel-Test" an den Iliosakralgelenken. Die Prüfung auf die sogenannten "Schober- und Ott-Zeichen" erlaubt, die Beweglichkeit in der Brustwirbel- und Lendenwirbelsäule zu beurteilen.

Gegebenenfalls werden Blutuntersuchungen hinzugezogen. Diese können Auskunft über Entzündungswerte geben. Bildgebende Verfahren wie Röntgenaufnahmen und Kernspintomografie-Untersuchungen (MRT) werden ebenfalls hinzugezogen.

Dabei geht es um den Zustand der betroffenen Gelenke, die Ermittlung des bestehenden Zerstörungsgrades oder die Feststellung von bereits vorhandenen Knochenverformungen und -Neubildungen. MRT-Untersuchungen stellen derzeit den Goldstandard der Diagnostik dar. Sie ermöglichen bereits im Frühstadium exakte Diagnosen, da sie auch Entzündungsprozesse abbilden.

Die Behandlung von Morbus Bechterew

Da Morbus Bechterew nicht heilbar ist, ist nur eine symptomatische Behandlung möglich. Diese dient der Symptomlinderung und der Verlangsamung des Krankheitsfortschritts. Meistens werden gemäß individueller Schwergrades und Ausprägungen verschiedene Behandlungsoptionen kombiniert.

Ein gesunder Lebensstil mit ausreichend Bewegung ist genauso hilfreich wie Krankengymnastik. Zusätzlich wird meist eine medikamentöse Behandlung eingeleitet. Gegebenenfalls steht eine Operation zur Diskussion. Ziel aller Maßnahmen ist es, die Beweglichkeit möglichst lange zu erhalten.

Bereits bestehende Bewegungseinschränkungen sollen verbessert werden. Problematisch ist, dass die langfristige oder häufige Einnahme von entzündungshemmenden bzw. schmerzlindernden Medikamenten Nebenwirkungen auslöst. Ibuprofen und andere Medikamente, die zu den nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAR) gehören, können die Magenschleimhaut angreifen.

Vorbeugend werden daher oft Omeprazol oder Pantoprazol verordnet, um die Magenschleimhaut zu schützen. Während eines akuten Morbus Bechterew Schubs oder in Zeiten starker Gelenkschmerzen können Glucocorticoide in die schmerzenden Regionen injiziert werden.

Kortison wirkt als entzündungshemmendes Medikament erfreulich schnell. Ob die Kortison-Injektionen aber auch den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen, ist bisher nicht geklärt. Bei manchen Patienten sind auch die Extremitäten von Morbus Bechterew-Beschwerden betroffen.

Oftmals bewirken entzündungshemmende Mittel in solchen Fällen keine ausreichende Schmerzlinderung. In diesem Fall kann das Medikament "Sulfasalazin" als Immunmodulator eingesetzt werden. Damit kann der Stoffwechsel von entzündungsfördernden Botenstoffen positiv beeinflusst werden.

Eine andere Art, das Immunsystem zu beeinflussen, kann mittels eines TNF-Alpha-Blockers versucht werden. TNF-Alpha-Blocker werden besonders bei schweren Krankheitsverläufen eingesetzt. Als Nebeneffekt kann aber eine medikamentöse Schwächung des Immunsystems vorliegen. Die Immunschwächung kann allgemein anfälliger gegenüber Krankheitserregern machen.

Bei chronischen Gelenksentzündungen mit nachfolgenden Gelenkschädigungen kann eine Operation erwogen werden. Gelenkprothesen bieten eine operative Lösung, Gelenkversteifungen eine andere. Zur Aufrichtung einer stark gebogenen Wirbelsäule können Knochenkeile entnommen werden. Damit erhöht sich die Beweglichkeit der Wirbelsäule.

Ergänzend: Bewegung und gesunde Lebensführung

Mehr Bewegung gilt als einer der wichtigsten Bausteine der Behandlung von Morbus Bechterew. Die Betroffenen sollten sich regelmäßig durch spazieren gehen, Fahrrad fahren, Schwimmen, Nordic Walking oder Gymnastik fit halten. Die Rumpfmuskulatur sollte trainiert werden. 

Nordic Walking auf einer unbefestigter Straße

Der Verzehr von Schweinefleisch führt beispielsweise zu einem Überschuss an Arachidonsäure. Diese Omega-6-Fettsäure begünstigt Entzündungen. Der Verzehr von fetthaltigen Kaltwasser-Fischen, Raps- oder Leinöl kann hingegen entzündungshemmend wirken.

Dafür sorgen die enthaltenen Omega-3-Fettsäuren. Empfehlenswert ist eine vegane oder fleischarme Ernährung. Frisch zubereitetes Gemüse und Obst, gesunde pflanzliche Fette, fettreduzierte Molkereiprodukte und Seefisch lindern Morbus Bechterew Beschwerden. Sie senken das Körpergewicht.

Nikotingenuss leistet einer zunehmenden Verknöcherung Vorschub. Hilfreich sind Wärmeanwendungen, gezielte Gymnastikübungen, Krankengymnastik und Massagen. Auch eine orthopädische Matratze kann Beschwerden lindern.

Prognose

Es handelt sich bei Morbus Bechterew um eine fortscheitende, schubweise verlaufende und chronische Skeletterkrankung. Daran ändert auch eine frühzeitige Behandlung nicht viel. Es besteht ein erhöhtes Risiko, im späteren Lebensalter als schwerbehinderter Patient eingestuft zu werden. Das kann am Ende eine dauerhafte Arbeits- oder Berufsunfähigkeit beinhalten.

Häufig kann der Arbeitsplatz eines Morbus Bechterew Betroffenen so optimiert werden, dass er einem Behinderten-Arbeitsplatz gleichkommt. Da die Bedürfnisse und der Krankheitsverlauf individuell sind, ist die Situation aber bei jedem Morbus Bechterew-Betroffenen eine andere.

 

 

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