Morbus Scheuermann - Ein Rückenschmerz Verursacher

Viele junge Menschen haben schon bald nach der Pubertät mit dem sogenannten "Scheuermann" Bekanntschaft gemacht. Meistens sind es mehr oder weniger schmerzhafte Bekanntschaften. Manchmal ist die Bekanntschaft auch eher zufällig.

Der Schularzt stößt beispielsweise beim Röntgen der Lunge eines Jugendlichen auf die Verkrümmung der Wirbelsäule. Diese befindet sich häufig im Brustbereich. Gelegentlich wird der Begriff "Scheuermann" fälschlich und verallgemeinernd für Rückenschmerzen im tiefen Kreuz benutzt.

Richtig ist: Morbus Scheuermann ist eine wachstumsbedingte Rückenerkrankung. Sie wurde vor etwa 100 Jahren nach dem dänischen Orthopäden Holger Werfel Scheuermann benannt. Die Diagnose „Morbus Scheuermann“ beschreibt eine typische Verkrümmung der Brust- oder Lendenwirbelsäule.

Diese tritt erstmals im jugendlichen Alter auf. Sie ist das Resultat einer juvenilen Wachstumsstörung. In späteren Lebensjahren führt ein unbehandelt gebliebener "Scheuermann" zunehmend zu Bewegungseinschränkungen und Schmerzen.

Manchmal entsteht ein Buckel. Daher gilt: Je früher der Morbus Scheuermann behandelt wird, desto besser ist die Prognose. Tritt der Morbus Scheuermann im Brustbereich auf, nennt der Fachmann ihn thorakal. Tritt er im Bereich der Lendenregion auf, ist er lumbal. Morbus Scheuermann wird mittlerweile zu den häufigsten Erkrankungen der Wirbelsäule gerechnet.

Warum männliche Jugendliche doppelt so häufig von einem Morbus Scheuermann betroffen sind als Mädchen, ist derzeit nicht bekannt. Als Synonyme für die wachstumsbedingte Wirbelsäulen-Erkrankung werden manchmal auch die Begriffe Scheuermann-Krankheit, juvenile Kyphose oder Adoleszenten-Kyphose benutzt.

Die Ursachen von Morbus Scheuermann

Die gesunde menschliche Wirbelsäule hat üblicherweise eine doppelte S-Form. Du kannst sie Dir bildlich als einen Stapel von aufeinander sitzenden Würfeln vorstellen. Die Würfel stehen stellvertretend für die knöchernen Wirbelkörper.

Als Stoßdämpfer zwischen den einzelnen Wirbeln stellst Du Dir elastische Bandscheiben mit einem Gel-Kern vor. Die Stoßdämpfer liegen zwischen den einzelnen Wirbeln. Da unser imaginierter S-förmiger Würfelstapel bisher keinen Halt hat, würde er bereits bei geringen Erschütterungen auseinanderfallen.

Daher wird Deine Wirbelsäule von Muskeln und Bändern in Position gehalten. Entwickelt sich die Wirbelsäule nun nicht exakt so, wie sie sein soll, kann ein Morbus Scheuermann entstehen. Die Verkrümmung der Wirbelsäule wird dadurch verursacht, dass einzelne Wirbel aus unbekannten Gründen nicht synchron wachsen.

Sie wachsen im vorderen und hinteren Bereich ungleichmäßig. Der ungleiche Wuchs der Knochen ergibt sogenannte Keilwirbel. Die zur Brustseite gerichtete Wirbelseite wächst beispielsweise langsamer als die in Richtung auf den Rücken weisende Wirbelseite.

Die Wirbel wachsen also keilförmig. Sie sind nach vorne hin schmaler als nach hinten. Du könntest nun in Gedanken einige Holzkeile statt der imaginären Würfel aufeinander stapeln. Bei den Keilen sollte die schmalere Seite vorne liegen.

Erkrankungen der Wirbelsäule. Skoliose, Lordose und Kyphose. Körperhaltungsfehler. Menschliche Silhouetten einzeln auf Weiß, Vektorgrafik.

Vorne steht in diesem Fall für die Brustwirbelsäule. Es ergibt sich durch die Keilform logischerweise ein vollkomme anderer Krümmungsgrad deines fantasierten Wirbelsäulen-Modells. Leichte Wirbelsäulenkrümmungen (Kyphosen) wirken sich meist nicht weiter schlimm aus.

Starke Kyphosen aber schon. Man bezeichnet dieses Phänomen als Hyperkyphose. Bei Wachstumsstörungen im Lendenbereich kann ebenfalls eine Kyphose entstehen. Meistens wird jedoch die naturgegebene Vorwärtskrümmung der Wirbelsäule - die Lordose - verändert.

Liegt durch solche Wachstumsstörungen eine seitlich gerichtete Krümmung der Wirbelsäule vor, sprechen die Mediziner von einer Skoliose. Damit wird ein seitlicher Schiefstand der Wirbelsäule bezeichnet.

Die Symptome von Morbus Scheuermann

In der Ausprägungen können die Symptome einer Wirbelsäulenverkrümmung sehr unterschiedlich ausfallen. Oftmals ist die Scheuermann-Erkrankung eine Zufallsdiagnose. Sie macht bei geringen Wachstumsverzögerungen anfangs keine Beschwerden.

Kyphose WirbelsäulenverkrümmungEin Morbus Scheuermann kann aber auch zu erheblichen Beschwerden und Schmerzen führen. Bildet sich beispielsweise ein Rundrücken oder gar ein Buckel, schlägt das - zusätzlich zu den Schmerzen - auch auf die Psyche.

Die Beweglichkeit der Wirbelsäule kann bei Morbus Scheuermann nach der Seite hin oder nach vorne eingeschränkt sein. Viele Jugendliche mit stärkeren Verkrümmungen der Wirbelsäule klagen über Schmerzen im Rücken.

Bei anderen Menschen entwickeln sich die Schmerzen erst im mittleren oder fortgeschrittenen Alter. Bei sehr starken Wirbelsäulenverkrümmungen durch Morbus Scheuermann kann es sogar zu Problemen beim Atmen kommen.

Mit Spätfolgen muss vor allem bei einem unbehandelten Morbus Scheuermann gerechnet werden. Zu den typischen Beschwerden können stärker werdende Rückenschmerzen, störungsbedingte Haltungsschäden oder zusätzlich auftretende neurologische Störungen - etwa Missempfindungen durcherhöhten Druck auf Nervenbahnen - gehören.

Die Häufigkeit von Bandscheibenvorfällen ist bei Morbus-Scheuermann-Patienten höher. Zu Bandscheibenvorfällen kommt es vor allem bei Morbus Scheuermann im Lendenwirbelbereich. Wenn solche Symptome erst im fortgeschrittenen Alter auftreten, wird das Krankheitsbild als "Post-Scheuermann-Syndrom" bezeichnet.

Gibt es bestimmte Risikofaktoren für diese Erkrankung?

Die genauen Auslöse-Faktoren für die Wachstumsstörungen im Wirbelbereich kennt man bisher nicht. Vermutlich wird die juvenile Wachstumsstörung durch mehrere Faktoren begünstigt. Es liegt aber nahe, dass unter anderem erbliche Bedingungen dazu beitragen könnten.

Es wurden auffällige familiäre Häufungen für solche Wachstumsprobleme beobachtet. Angeborene oder vererbte Vitaminmangel-Syndrome, angeborene Anomalitäten bei der Knochenbildung oder eine verringerte Belastbarkeiten der Wirbelkörper könnten also durchaus familiär bedingt entstehen.

Es gibt aber noch andere Risikofaktoren, die zu beachten sind. So kann eine Verkrümmung der Wirbelsäule auch durch

  • vorgebeugtes Sitzen über längere Dauer
  • stärkere Biege-Belastungen im Brust- oder Lendenwirbelbereich, z. B. durch Haltungsfehler
  • eine stark geschwächte und untrainierte Rückenmuskulatur
  • oder Sportarten, die den Rücken stark belasten

begünstigt werden.

Bei bewegungsintensiven Sportarten wie Ballspielen, Kampfsport, oder Laufen auf harten Hallenböden kommt es unweigerlich zu erheblichen Stauch- und Drehbelastungen. Diese werden von der Wirbelsäule aufgenommen. Vor allem werden bei dynamischen Sportarten die Wirbelkörper im Bereich der vorderen Brustwirbelsäule stark belastet.

Wenn auf diese Weise nach und nach Schädigungen im Wirbel- oder Bandscheibenbereich entstehen, kann es ebenfalls zu Wachstumsstörungen an den Wirbeln kommen. Diese können schließlich zur vollendeten Symptomatik eines Morbus Scheuermann führen. In diesem Fall haben keine erblichen oder hormonellen Komponenten zum Entstehen beigetragen.

Morbus Scheuermann: die Diagnosestellung

Üblicherweise beginnt der behandelnde Arzt mit der Erhebung der Vorgeschichte (Anamnese). Schon durch die Beantwortung seiner Fragen kann er das Erkrankungsbild weiter eingrenzen. Dennoch kann es sein, dass es auch dann noch mehrere Erkrankungen mit ähnlicher Symptomatik gibt.

Abgefragt werden meist der Schmerzort und die Entwicklung seit dem Beginn der Beschwerden. Auch der Schmerzcharakter soll genau beschrieben werden. Schmerzen können beispielsweise dumpf, ziehend, brennend oder stechend, lokal begrenzt oder ausstrahlend, konstant gleichbleibend oder bewegungsabhängig und unterschiedlich stark sein.

Die nachfolgende körperliche Untersuchung betrifft die Eruierung von Bewegungs- und Funktionseinschränkungen. Der Arzt prüft auch, ob der Betroffene möglicherweise neurologische Symptome aufweist. Er untersucht die Wirbelsäulen-Form und die Haltung des Körpers in verschiedenen Stellungen.

Möglicherweise fragt der Arzt Dich nach rückenbelastenden Sportarten oder berufsbedingten Belastungen des Rückens. Aus Basis-Daten wie Beweglichkeit, Wirbelsäulenform oder Schmerzintensität kann der Arzt weitere Schlüsse ziehen. Der Schweregrad der zuvor geschilderten Symptome kann nun verifiziert werden.

Um das Bild zu vervollständigen, werden im Anschluss apparative Diagnostikverfahren wie eine Röntgenuntersuchungen durchgeführt. Aufgrund des sogenannten Cobb-Winkels kann das Ausmaß der Wirbelsäulenkrümmung im Röntgenbild exakt bestimmt werden.

Dieser Winkel wird auch bei der Verlaufskontrolle immer wieder betrachtet. Bildgebende Verfahren wie die Magnetresonanztomographie (MRT) oder eine Computertomographie (CT) werden nur in Einzelfällen benötigt.

Zur Diagnose "Morbus Scheuermann" kann es aber auch zufällig bei einer ganz anderen Untersuchung kommen. Ein Beispiel ist das Lungenröntgen. Hier wird auch ein Teil der Brustwirbelsäule mit abgebildet. Schulärzte sind heutzutage angehalten, auch auf Anzeichen einer Scheuermann-Erkrankung zu achten.

Die Behandlung eines Morbus Scheuermann

Wünschenswert ist bei Vorliegen einer Scheuermann-Erkrankung, dass die Wirbelsäulenverkrümmung möglichst frühzeitig behandelt wird. Es geht darum, durch frühzeitiges Gegensteuern schwere Verformungen zu verhindern.

Zu einer operativen Korrektur kommt es nur in sehr seltenen Fällen - zum Beispiel bei Atemproblemen oder sehr starken Verkrümmungen.

Im Vordergrund der Therapie stehen konservative schulmedizinische Behandlungsoptionen. Dazu gehören beispielsweiseRückansicht des Korsetts für die Wirbelsäule. Ein Mann in einem weißen T-Shirt-Outfit Korsett für den Rücken.

  • die physikalische Therapie und Krankengymnastik
  • die Verordnung eines Stützkorsetts
  • oder eine medikamentöse Schmerzbehandlung mit Ibuprofen, Paracetamol oder muskelentspannenden Schmerzmitteln.

Bei der operativen Behandlung können bereits geschädigte Bandscheiben entfernt werden. Sie werden gegebenenfalls durch körpereigene Knochenpuffer ersetzt.

Die verkrümmte Wirbelsäule kann mit Hilfe von Schrauben und stabilisierenden Metallplatten aufgerichtet werden. Damit die Operation erfolgreich verläuft, muss im Anschluss oft für mehrere Monate eine stützende Korsett-Behandlung anschließen.

Krankheitsverlauf und Prognose für Morbus Scheuermann

Die Entwicklung der Scheuermann-Krankheit mag zwar erblich bedingt sein. Die Anlagen dazu bestehen also möglicherweise schon seit der Geburt. Doch der Morbus Scheuermann bildet sich in der Regel erst, wenn die Pubertät einsetzt.

Möglicherweise spielen daher auch hormonelle Faktoren eine Rolle - zum Beispiel Störungen unbekannter Ursache bei der Ausschüttung von Wachstumshormonen. Während des anschließenden Höhenwachstums schreiten die Verkrümmungen der Wirbelsäule weiter voran.

Wenn die Wachstumsphase beendet ist, ist der Status Quo erreicht - das heißt: der dadurch begünstigte Verkrümmungsgrad ist vorerst erreicht. Die bis hierher entstandenen Wirbel-Deformationen und Wirbelkörper-Schäden bleiben für den Rest des Lebens bestehen. Sie sind nicht revidierbar.

Daher ist eine frühe Behandlung der verkrümmten Wirbelsäule so wichtig. Sie kann das Schadensausmaß geringer halten. Der eigentliche Problempunkt beim Morbus Scheuermann ist jedoch folgender: Die veränderte Wirbelsäulenverkrümmung führt oft zu Fehlhaltungen. Es entsteht eine ungleiche Belastungssituation an einzelnen Wirbelsäulen-Abschnitten.

Dadurch entstehen nach und nach mehr Schmerzen und Empfindungsstörungen. Es kommt bei Morbus Scheuermann zu Muskelverspannungen im Halteapparat und zunehmend auch zu Bewegungseinschränkungen. Für den behandelnden Arzt gibt es bestimmte Parameter, mit denen der den Verlauf der Erkrankung einschätzen kann.

Einer dieser Parameter ist der Cobb-Winkel. Er beschreibt den Verkrümmungsgrad der Wirbelsäule. Der Cobb-Winkel erlaubt also auch, den Fortschritt der Verkrümmung exakt zu bemessen. Daraus kann eine Prognose für die zukünftigen Jahre abgeleitet werden.

Außerdem stehen als weitere Parameter für die Vorhersage des Krankheits-Verlaufs folgenden Werte zur Verfügung:

  • der bis jetzt erreichte Schweregrad der Wirbelsäulenverkrümmung
  • das Ausmaß einer Skoliose, die eventuell begleitend auftritt
  • das vorliegende Körpergewicht
  • oder der Trainingszustand der Rücken- und Brustmuskulatur.

Zum Trost sei eines festgestellt: Die meisten Betroffenen mit Morbus Scheuermann haben eine eher günstige Prognose. Diese kann vor allem dann gestellt werden, wenn eine frühzeitige Behandlung erfolgt ist. Bei Morbus Scheuermann kommt es nur selten zu schweren bis sehr schweren Verlaufsformen.

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