Osteochondrose - Eine Krankheit mit vielen Gesichtern

Auch wenn der Begriff "Osteochondrose" vielen Menschen nichts sagt: Ein Teil der Menschen mit Rückenschmerzen hat bereits Bekanntschaft damit gemacht. Wer an Morbus Scheuermann leidet, hat nämlich eine Form der Osteochondrose.

Es geht dabei um eine schleichend einsetzende, degenerative Knochen- und Gelenkknorpel-Erkrankung. Betroffen von einer Osteochondrose können die Hals-, die Brust- und die Lendenwirbelsäule sein. Eine der häufigsten Osteochondrosen ist die "Osteochondrosis intervertebralis".

Beschrieben wird damit ein zunehmender Knochen- und Knorpelschwund an der Wirbelsäule. Anfangs macht sich das degenerative Geschehen nur mit belastungs- und bewegungsabhängigen Schmerzen bemerkbar. Später aber schmerzt der Rücken auch in Ruhestellung und bei geringer Belastung.

Die Anfänge einer Osteochondrose werden meist nicht bemerkt. Zunehmende Schmerzen und Bewegungseinschränkungen erhöhen mit der Zeit den Leidensdruck. Das bedeutet aber nicht immer, dass ein Arzt aufgesucht wird. Vielfach nehmen die Betroffenen einfach Schmerztabletten ein.

Das begünstigt allerdings ein Fortschreiten der Osteochondrose und eine Chronifizierung der Schmerzen. Die Verursachung einer Osteochondrose ist meist in jahrelangen Belastungen der Wirbelsäulengelenke zu suchen. Die Betroffenen hatten meist sitzende bzw. stehende Berufe.

Sie waren als Bürokräfte oder Verkäuferinnen tätig. Auch Handwerker, die häufig gebückte Haltungen einnehmen müssen, sind häufiger betroffen. Doch wie wir später sehen werden, können auch Kinder und Jugendliche an juvenilen Osteochondrose-Formen leiden.

Was ist eigentlich eine Osteochondrose?

Mediziner benennen mit diesem Begriff eine schleichend einsetzende, degenerative Erkrankung. Diese betrifft die Knochen und Gelenkknorpel, vor allem in der Hals-, Brust- oder Lendenwirbelsäule. Es kommt im Verlauf der Erkrankung zu knöchernen Veränderungen im Bereich der betroffenen Wirbelsäulen-Abschnitte.

Degenerative Bandscheibenerkrankung und Nackenschmerzen

Damit reagiert der Organismus auf den zunehmenden Abbau an Masse. Aus medizinischer Sicht ist die Ursache einer Osteochondrose in Abnutzungserscheinungen an den Bandscheiben zu sehen. Bei Bandscheiben handelt es sich um diskusförmige, gelartige Knorpel.

Diese dienen als Stoßdämpfer zwischen den einzelnen Wirbeln der Wirbelsäule. Bandscheiben sollen die Wirbelsäule vor zu vielen auf die Wirbelsäule einwirkenden Kräften (z. B. Druck, Stoß und Zug) schützen. Vielfach werden die Belastungen durch langes Stehen oder stundenlanges Sitzen am PC unterschätzt.

Beide bedeuten eine erhebliche Über- bzw. Fehlbelastung des Rückens. Die abpuffernden Bandscheiben werden dabei extrem strapaziert. Sie verlieren daher nach und nach ihre ursprüngliche Elastizität. Dadurch verändert sich ihre Form.

Durch die zunehmende Abflachung und Quetschung der Bandscheiben verlieren diese ihre Funktion als Stoßdämpfer. Daraufhin verschleißen auch die Wirbel durch die vermehrten Reibungskräfte. Beim Menschen zu unterscheiden sind verschiedene Osteochondrose-Formen:

  • die Osteochondrosis dissecans
  • die Osteochondrosis intervertebralis
  • die juvenile Osteochondrose
  • der Morbus Scheuermann
  • der Morbus Perthes
  • und die Osteochondrosis pubica.

Ursachen einer Osteochondrose

Wie bereits erwähnt, sind Überlastungen oder Fehlbelastungen der Gelenke ursächlich. Insbesondere stundenlanges, zu wenig dynamisches Sitzen im Büro, vor dem Fernseher oder am PC ist eine der Ursachen. Eine andere Ursache sind stehende Berufe. Diese stauchen die Bandscheiben und strapazieren die Wirbelsäule ebenfalls.

Zu den weniger häufigen, aber ebenfalls möglichen Osteochondrose-Ursachen gehören alle Belastungen, die besonders verschleißträchtig sind:

  • belastungsbedingte Bandscheibenvorwölbungen oder -fälle
  • eine Skoliose bzw. seitliche Wirbelsäulenverkrümmung
  • zu lange eingenommene Schonhaltungen
  • einseitige Belastungen des Rückens
  • häufiges schweres Heben
  • sowie eine geschwächte und wenig trainierte Rückenmuskulatur.

Werden die Bandscheiben durch ständige Überlastungen zusammengepresst, flachen sie zunehmend ab. Sie verlieren ihre Elastizität - und damit auch ihre abpuffernden Funktionen. Durch ihre Zusammengepresste Form kommt es zu Verengungen im Wirbelkanal. Dadurch können wiederum Nervenenden komprimiert werden. Als Folge treten starke Schmerzen im Rücken sowie zunehmende Bewegungseinschränkungen auf.

Die typischen Symptome von Osteochondrosen

Ein Mann mit Rückenschmerzen, im Bereich Halswirbelsäule und Lendenwirbelsäule.

Je nach Lage der degenerativen Veränderungen treten die Schmerzen bevorzugt an der Halswirbelsäule (HWS), der Brustwirbelsäule (BWS) oder der Lendenwirbelsäule (LWS) auf. Daher sind Nacken- oder Rückenschmerzen eines der häufigsten Symptome.

Anfangs treten solche Schmerzen nur belastungsabhängig auf. Durch eine Schonhaltung können sich mit der Zeit Muskelverspannungen, Kopf- oder Nervenschmerzen dazu gesellen. Im Laufe der weiteren Degeneration von Bandscheiben werden die Symptome immer schlimmer.

Geht es dann ans Eingemachte, stellen die Bandscheiben ihre Puffer-Funktion weitgehend ein. Nun wird es richtig schmerzhaft. Wirbel, denen der Puffer fehlt, reiben stärker aneinander. Starke Rücken- und Nackenschmerzen sowie Kopfschmerzen und Bewegungseinschränkungen treten immer häufiger auf.

Neben diesen typischen Begleiterscheinungen der Osteochondrose kann es bei fortschreitenden degenerativen Prozessen auch zu ausstrahlenden Schmerzen und Missempfindungen kommen. Kribbeln und Taubheitsgefühle in den Extremitäten deuten an, dass die Osteochondrose fortschreitet.

Bei weit fortgeschrittener Osteochondrose diagnostizieren Ärzte eine "erosive" Osteochondrose. Außerdem können zeitgleich mehrere Gelenke von degenerativen Prozessen betroffen sein. Das wäre dann als "multisegmentale" Osteochondrose ein sehr schmerzhaftes Geschehen.

Exkurs: Die unterschiedlichen Osteochondrose-Formen

Eine Osteochondrose kann an verschiedenen Wirbelsäulen-Abschnitten auftreten. Sie kann je nach Belastungsintensität und Alter unterschiedlich schwer ausfallen. Neben der multisegmentalen oder weit fortgeschrittenen, erosiven Form wird auch der Ort des degenerativen Geschehens benannt.

Außerdem werden manchen speziellen Formen einer Osteochondrose eigenständige Namen zugeordnet. Die degenerative Erkrankung, die gehäuft auftritt, ist die "Osteochondrosis intervertebralis". Damit wird eine gleichmäßige Abnutzung der Bandscheiben und Wirbelgelenke beschrieben.

Eine andere Bezeichnung dafür wäre Spondylose. Dabei handelt es sich um eine Arthrose der Wirbelsäule. Hervorgerufen wird die Arthrose-bedingte Abnutzung durch chronische Überlastung der betroffenen Gelenke. Bei anhaltenden Überlastungen baut die gallertartige Bandscheibe einen Teil ihrer schützend ummantelten Flüssigkeit ab.

Sie wird immer wieder zusammengepresst. Der Druck auf die betroffenen Wirbelgelenke steigt an. Nach und nach wird der Wirbelknochen durch zunehmende Reibungsintensität abgeschliffen. Als Stabilisierungsmaßnahme versucht der Organismus, dem zunehmenden Abbau der Wirbelkörper mit ersatzweise gebildeter Knochenmasse entgegenzuwirken.

Die zunehmende Verknöcherung an den Wirbelgelenken führt jedoch für den Patienten zu eingeschränkten Bewegungsmöglichkeiten. Er erlebt zudem immer öfter Schmerzen. Besonders oft ist die untere Wirbelsäulen-Region im Bereich L5/S1 betroffen.

Vektorgrafik auf weißem Hintergrund - Wirbelsäule mit Namen und Nummern der Wirbeltiere

Die Schmerzen sitzen im tiefen Kreuz, im Bereich des fünften Lendenwirbels. Mit dem Begriff "Osteochondrosis dissecans" wird eine "aktivierte" Osteochondrose-Form beschrieben. Unterhalb eines Gelenkknorpels entsteht eine Arthrose. Bei weiteren Belastungen der knöchernen Strukturen werden die Gelenkknorpel abgebaut.

Knochenfragmente werden abgestoßen. Betroffen sind häufig Sprunggelenke-, Knie- oder Ellenbogengelenke - übrigens auch bei Hunden. Die juvenile Osteochondrose ist besser unter der Bezeichnung "Morbus Scheuermann" bekannt.

Es geht dabei um eine Wachstumsstörung, von der bevorzugt elf- bis siebzehnjährige Teenager betroffen sind. In diesem Alter kümmert man sich nicht besonders um seine Körperhaltung. Langes Sitzen in gebeugter Haltung am PC ist in diesem Alter nicht unüblich.

Zur Verteidigung der Jugend sei gesagt: Auch erbliche oder hormonelle Prozesse können zur Verursachung solcher degenerativen Prozesse beitragen. Häufig tritt ein "Morbus Scheuermann" im Bereich der Brustwirbelsäule auf.

Die eher atypische juvenile Osteochondrose wird diagnostiziert, wenn eine Wirbelsäulenkrümmung im Lendenwirbelsäulen-Bereich auftritt. Als "Morbus Perthes" wird eine Kinderkrankheit bezeichnet. Sie ist auch unter Bezeichnungen wie juvenile Hüftkopfnekrose oder Calvé-Legg-Perthessche Krankheit bekannt. Sie betrifft nur fünf- bis neunjährige Kinder.

Diese klagen über Hüftschmerzen. Auslöser sind möglicherweise hormonell bedingte Wachstumsstörungen. Als Folge tritt ein Erguss auf, der durch Belastungen ausgelöst wurde. Nachfolgend kann sich der Hüftkopf vergrößern. Ein Erkennungszeichen dafür ist, dass die betroffenen Kinder plötzlich hinken.

Die Diagnose der Osteochondrose

Oft kommen die Betroffenen mit akuten Rücken- oder Nackenschmerzen zum Arzt. Manchmal sind die Schmerzen bereits chronifiziert. Der Arztbesuch wurde zu lange vermieden. Stattdessen wurden die zunehmenden Rückenschmerzen länger ignoriert.

Vor allem in den Osteochondrose-Anfangsstadien wird eine Selbstbehandlung als ausreichend empfunden. Daher bekommen die Orthopäden meist fortgeschrittene Osteochondrose-Stadien zu sehen. Aufgrund der Krankengeschichte, der beobachtbaren Körperhaltung, auffälliger Schonhaltungen oder bestimmter Ausweichbewegungen kann der Arzt sich oft schon ein Bild machen.

Er tippt vermutlich auf eine Form der Osteochondrose. Das Anamnesegespräch und die anschließend vorgenommene medizinische Diagnostik stellen sicher, ob tatsächlich eine Form der Osteochondrose vorliegt. Die anfängliche Verdachtsdiagnose kann anschließend mit bildgebenden Verfahren verifiziert werden.

Röntgenuntersuchungen sind eher wenig aussagekräftig, da sie keine Knorpel abbilden. Um degenerierte oder neu gebildete Knochenstrukturen zu erkennen, sind sie aber sinnvoll. Magnetresonanz-Untersuchungen (MRT) und Ultraschall-Untersuchungen sind ein weiteres Mittel der Wahl.

Durch bildgebende Verfahren kann auch der vorliegende Schweregrad der degenerativen Prozesse festgestellt werden. Daher werden diese Verfahren im Verlauf der Erkrankung zur Kontrolle eingesetzt, falls Verschlechterungen beklagt werden.

Die Behandlung von degenerativen Veränderungen

Vorrangig geht es bei jeder Osteochondrose-Behandlung darum, Schmerzfreiheit und bessere Mobilität sicherzustellen. Daher kommen vorzugsweise verschiedene Schmerzmittel und entzündungshemmende Medikamente zur Anwendung.

Der Schmerzgrad und der Fortschritt der degenerativen Prozesse entscheiden über die verordnete Kombination solcher Arzneimittel und deren Einnahmedauer. Ergänzend werden physiotherapeutische Maßnahmen und sportliche Betätigung eingesetzt.

Diese dienen zur Mobilisierung und Kräftigung der Muskulatur. Wie immer, entscheidet das individuelle Erkrankungsbild über die empfohlenen Maßnahmen. Im fortgeschrittenen Stadium sind chronische Schmerzen und eine zunehmende Einschränkung der Beweglichkeit an der Tagesordnung.

Zusätzlich verspannen sich oft die Muskeln am Rücken. Das zieht weitere Schmerzen nach sich. Ein multimodaler Therapieansatz kann multiplen Erkrankungsfolgen am effektivsten begegnen. Schmerzmittel sorgen für schnelle Schmerzlinderung. Schonhaltungen können nun schmerzfrei korrigiert werden.

Schmerzmittel werden auch bei starken Muskelverspannungen eingesetzt, um eine schnellere Besserung zu erzielen. Manche Schmerzmittel haben zusätzlich eine entzündungshemmende Wirkung. Zu den physiotherapeutischen Therapie-Maßnahmen gehören Elektrotherapie, thermische Behandlungen wie Heißlufttherapie, Fango- oder Moorpackungen, Massage-Anwendungen oder Krankengymnastik.

Jeder Betroffene kann sich Zuhause bei verspannungsbedingten Rückenschmerzen mit Rotlicht eine schnelle Entlastung verschaffen. Auch eine Rückenschule wird bei Osteochondrose-Beschwerden als hilfreich angesehen. Sie wirkt Fehlhaltungen entgegen und stärkt die Rückenmuskulatur.

Ziel dieser Maßnahmen ist es, bewusster zu sitzen. Betroffene sollten längere Sitzpausen einlegen. Außerdem sollten die Osteochondrose-Betroffenen den Rücken möglichst oft durch gezielte Übungen und dynamische Haltungen entlasten. Sportliche Betätigung in gesunden Maßen ist eine gute Maßnahme.

Die geschwächte Rückenmuskulatur wird dadurch gekräftigt. Die Knochendichte wird ebenfalls verbessert. Vor allem entlastet Sport die Bandscheiben. Diese müssen ihre Elastizität behalten, um ihre noch verbliebenen Rest-Funktionen zu behalten.

Wichtig sind gelenkschonende Sportarten wie Schwimmen, Fahrradfahren, Spazierengehen, Nordic Walking. Übersehen wird oft auch die hilfreiche Wirkung gesunden Essens. Die Ernährung sollte vollwertig, vitalstoffreich und vor allem reich an Kalzium, Magnesium, Zink, Mangan und Kupfer sein. Damit sind Knochen und Knorpel gut versorgt.

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