Physiotherapie - Auch bei Rückenschmerzen erfolgreich

Viele Behandlungen, die im Rahmen der Physiotherapie angewendet werden, werden schon seit grauer Vorzeit genutzt. Der ehemals verwendete Begriff "Krankengymnastik" hat sich aber als ungenau erwiesen. Die Krankengymnastik stellt nur eine von vielen physiotherapeutischen Maßnahmen dar.

Der Begriff "Physiotherapie" ist aus den Worten "physis" für Natur/Körper und dem griechischen "therapeia" für heilen/pflegen zusammengesetzt.

Es geht in der Physiotherapie um die Wiederherstellung körperlicher Funktionsfähigkeit. Physiotherapeutische Behandlungen dürfen nur von ausgebildeten Physiotherapeuten durchgeführt werden. Medizinische Masseure oder medizinische Bademeister decken jedoch Teilbereiche der Physiotherapie ab.

Wer ist Physiotherapeut, wer nicht?

Das Berufsbild des Physiotherapeuten ist in Deutschland kein eigenständiger Heilberuf. Physiotherapie wird den Gesundheits-Fachberufen zugeordnet. Der früher verwendete Begriff "Heilhilfsberufe" beinhaltete eine Abwertung gegenüber medizinischen Disziplinen.

Trotzdem haben die "Götter in Weiß" bis heute das alleinige Recht, Physiotherapie Behandlungen durch Rezept als notwendig zu attestieren. Präventive Maßnahmen dürfen auch von anderen verordnet werden.

Ziel und Inhalt von Physiotherapie

Vorrangiges Ziel physiotherapeutischer Therapieansätze ist das Erreichen von Schmerzfreiheit, gesteigerter Durchblutung und verbesserter Mobilität. Die Physiotherapie strebt an, die Funktionsfähigkeit von Gelenken und Muskulatur weitmöglich wieder herzustellen. Diesem Streben werden allerdings gewisse Grenzen gesetzt.

Neurologisch bedingte Problematiken oder degenerative Prozesse erlauben oft keine volle Wiederherstellung gewohnter Funktionalität. Nach der Anamnese-Erhebung prüft der Therapeut Art und Grad der vorliegenden Funktions- oder Bewegungseinschränkungen. Er kann Druck-, Zug- und Bewegungstests vornehmen, um eine geeignete Behandlungsstrategie zu ermitteln.

Der Patient soll im Anschluss an die Behandlung eine bessere Wahrnehmung körperlicher Bedürfnisse haben. Er soll eigenverantwortlich daran arbeiten, seltener Rückenschmerzen zu bekommen. Die Physiotherapie orientiert sich an anatomischen und physiologischen Gegebenheiten.

Motivationsgrad oder kognitive Fähigkeiten des Patienten werden berücksichtigt. Von kleinen oder dementen Patienten mit Rückenschmerzen kann ein Physiotherapeut nicht erwarten, dass sie Zuhause eigenständig Übungen ausführen.

Exkurs: Abgrenzung zur physikalischen Therapie

Der deutsche Begriff "Physiotherapie" lautet - ins Englische übersetzt - "physical therapy". Das verführt dazu, ihn mit dem deutschen Pendant "Physikalische Therapie" gleichzusetzen. Es handelt sich aber nicht um ein Synonym für Physiotherapie.

Oft wird Physiotherapie fälschlicherweise als Unterkategorie der physikalischen Therapie eingeordnet. Das ist im Praxisalltag jedoch nicht sinnvoll. Die deutschen Abrechnungs-Modalitäten legen nahe, beide Bereiche getrennt voneinander zu halten. Die Trennung von Physiotherapie und physikalische Therapie erlaubt eine Einzel-Abrechnung.

Die Verfahren der Physiotherapie

Unter dem Begriff "Physiotherapie" werden diverse Behandlungsmethoden zusammengefasst. Dazu gehören "Bewegungstherapie" und "physikalische Therapie" als übergeordnete Bereiche.

Der Bereich der Bewegungstherapien

Patienten in der Physiotherapie machen körperliche Übungen mit dem Therapeuten

Krankengymnastik wird heute mit erweiterten Verständnis als "Bewegungstherapie" bezeichnet. Es geht eben nicht nur um gymnastische Übungen - und auch nicht nur um die Behandlung kranker Menschen Bewegungstherapien können auch präventiv angewendet werden.

Zu diesem Bereich der Physiotherapie gehören beispielsweise die gerätegestützte Krankengymnastik, Bewegungsbäder, manuelle Therapien, Gangschulungen, Atemtherapie, die Therapie nach Bobath oder Vojta sowie die "propriozeptive neuromuskuläre Fazilitation" (PNF).

1. Manuelle Therapie

Die manuelle Therapie umfasst händische Mobilisationstechniken. Diese haben zum Ziel, Funktionsstörungen im Bewegungsapparat zu beheben. Das umfasst den Tastbefund und die manuelle Behandlung selbst.

Es geht bei manuellen Therapien darum, schmerzende Muskeln zu dehnen. Spezielle Zug- oder Druckbewegungen beseitigen muskuläre Blockaden. Sie entlasten zusammengepresste Nerven und beseitigen den Schmerzreiz.

Mit manueller Therapie können außerdem postoperative Schmerzen verbessert werden. Durch Kräftigungs- und Koordinationsübungen können Gelenke nach Operationen stabilisiert und mobilisiert werden.

2. Therapie nach Bobath

Der Physiotherapeutin Bertha Bobath und ihrem Ehemann ist die "Therapie nach Bobath" zu verdanken. Der Patient soll durch diese Methode der Physiotherapie natürliche Bewegungsabläufe neu erlernen.

Die Bewegungsmuster wurden durch Erkrankungen wie Parkinson oder multiple Sklerose, Schlaganfälle oder Schädel-Hirn-Traumata beeinträchtigt. Die Therapie nach Bobath kann auch mit Kindern durchgeführt werden.

3. Therapie nach Vojta

Der Neurologe Václav Vojta entwickelte die nach ihm benannte Therapie. Hier werden bestimmte Reizpunkte durch Druck stimuliert. Dadurch können angeborene Bewegungsmuster und Reflexe ausgelöst werden. Beispiele dafür sind das Reflexdrehen oder -kriechen.

Die Therapie nach Vojta wird vor allem bei Vorliegen einer Koordinationsstörung oder nach Hirnverletzungen eingesetzt. Sie ermöglicht es, "verlernte" Bewegungsmuster neu einzuüben. Erwachsene und Kinder können erfolgreich behandelt werden.

4. Propriozeptive neuromuskuläre Fazilitation (PNF)

Die "propriozeptive neuromuskuläre Fazilitation" beschreibt ein physiotherapeutisches Verfahren, das die Wahrnehmung von Körperhaltungen oder Bewegungsabläufen verbessern kann.

Dadurch kann das Zusammenspiel zwischen Muskulatur und Nerven optimiert werden. Durch die PNF-Behandlung gelingen alltägliche Bewegungen anschließend besser. Beispiele sind das Gehen oder Treppensteigen.

Die PNF kann auch bei krankheitsbedingten Schluck- oder Atembeschwerden eingesetzt werden, beispielsweise nach Schlaganfällen oder bei Morbus Parkinson-Betroffenen. Ohne Physiotherapie könnten viele Betroffenen keine weitere Besserung erreichen.

5. Atemtherapie

Atemübungen werden häufig Patienten verordnet, die an starkem Husten mit Atemnot und Auswurf leiden. Wenn die Atemwege mit zähem Schleim belastet sind, fällt das Atmen schwerer. Die Atemtherapie ermöglicht das leichtere Abhusten des Schleims.

Sie wird häufig bei Erwachsenen und Kindern mit Mukoviszidose oder Asthma bronchiale eingesetzt. Zur Anwendung kommt Atemtherapie aber auch bei Patienten mit chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (COPD) oder einem Bronchialkarzinom.

Atemtherapeutische Techniken versorgen den Organismus mit mehr Sauerstoff. Erhält ein Patient Sauerstoffzufuhr, lernt er mittels eines Atemtherapeuten den richtigen Umgang damit.

6. Krankengymnastik mit Geräten (KGG)

Krankengymnastik am Gerät (KGG) ist im Grunde medizinisches Training mit Hilfe von Trainingsgeräten. Nach Rückenoperationen können die Patienten mithilfe der KGG die Wirbelsäule sowie Muskeln, Sehnen und Bänder stabilisieren und deren Funktionsfähigkeit verbessern. Eingesetzt wird physiotherapeutisches Gerätetraining auch bei chronischen Rückenschmerzen.

Der Bereich der physikalischen Therapie

Physiotherapeut, der einem Patienten in der Klinik eine Rückenmassage gibt

Hier geht es um Behandlungsmöglichkeiten mit Hilfe physikalischer Hilfsmittel:

1. Massagetherapie

Die Massagetherapie umfasst klassische Massageverfahren wie die Bindegewebsmassage, aber auch modernere Verfahren wie Lymphdrainage oder Reflexzonenmassage. Klassische Massage-Techniken umfassen das Kneten, Dehnen, Ausstreichen, Vibrieren und Klopfen.

Diese manuellen Tätigkeiten dienen der Durchblutungsförderung, Dehnung und Blockadelösung. Das Konzept der Reflexzonenmassage geht davon aus, dass die Massage bestimmter Hautfelder/Reizpunkte zu einer Reaktion auf der Organ-Ebene führen kann.

Das soll Spannungszustände an inneren Organen beheben. Ausstrahlende Schmerzen lassen sich auf diese Weise nachweislich verbessern. Spezifische Arten der Reflexzonenmassage sind die Bindegewebsmassage und die Hand- oder Fußreflexzonenmassage.

Mittels gezielter Lymphdrainage wird gestaute Lymphflüssigkeit Ausgeleitet. Die Drainagemassage wirkt schmerzlindern und abschwellend. Die Lymphdrainage kann nach Knie-Operationen, aber auch bei chronischer Veneninsuffizienz oder Lipödemen Erleichterung verschaffen.

2. Elektrotherapie

Bei der Elektrotherapie wird elektrischer Strom eingesetzt, um heilende Impulse zu setzen. Zum Einsatz kommen niederfrequente Reizströme oder Wechselströme mit mittleren Frequenzen.

Der Einsatzbereich der Elektrotherapie liegt bei akuten oder chronischen Schmerz-Syndromen. Die Elektrotherapie wird bei geschwächter Muskulatur infolge einer Lähmung, aber auch bei Tinnitus-Beschwerden oder Harninkontinenz eingesetzt.

3. Hydrotherapie

Kalt- oder Warmwasser-Anwendungen können als Heilmittel eingesetzt werden. Meist werden solche Maßnahmen mit anderen Physiotherapie-Verfahren kombiniert.

Die bekannteste Form der Hydrotherapie ist das Kneippen. Kalte und heiße Wickel, Güsse oder Bäder sorgen ebenfalls für Schmerzlinderung und Entspannung.

4. Thermotherapie

Unter diesem Begriff werden Kälte- und Wärmetherapien zusammengefasst. Wärmetherapien werden bei Schmerz-Symptomatiken und Durchblutungsstörungen eingesetzt. Sie aktivieren die Durchblutung, den Stoffwechsel und sorgen für entspanntere Muskulatur.

Wärmetherapien umfassen Verfahren wie Ultraschall-Anwendungen, Heißluft, heiße Bäder sowie Wärmebehandlungen wie Fango-, Schlick- oder Moorpackungen.

Bei der Kälte-Therapie kommen Kaltluft, Eiskompressen, Cool Packs, Eisspray/Kaltgas oder Eismassagen zur Anwendung. Die Schmerzlinderung wird durch eine kältebedingte Kurz-Betäubung und eine Beruhigung von Nervenreizungen erzielt. Kühlung lindert Schmerzen. Sie lässt Schwellungen zurückgehen.

5. Inhalationstherapie

Ein weiteres Verfahren der Physiotherapie wird bei Asthma, Lungenentzündungen oder Mukoviszidose eingesetzt.- Bei der Inhalationstherapie zerstäubt ein Vernebler Kochsalz- oder Medikamentenlösungen. Diese werden inhaliert. Sie befeuchten und heilen die Atemwege.

 

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